Pferdefütterung & Stoffwechsel

 

Bei einem ihrer raren Vorträge in Österreich erläuterte die promovierte Biologin Dr. Christina Fritz, warum die klassische Art der Fütterung ihrer Ansicht nach noch immer die beste und pferdegerechteste ist.

Bewegungstier Pferd
Das Pferd ist von Natur aus ein Pflanzenfresser und Steppenbewohner. Die nötige Bewegung holt es sich mit der Nahrungssuche, etwa 40 – 50 km pro Tag, in ruhigem Tempo – 16 Stunden volles Programm.
In Boxenhaltung sind Pferde durchschnittlich etwa sechs Stunden mit Nahrungsaufnahme beschäftigt und zwei Stunden erhalten sie Auslauf bzw. werden durch den Menschen bewegt. Durch die langen Ruhephasen wird der Darm träge und die Gefahr von Fehlgärungen, Koliken und Magengeschwüren steigt.
Die beste Möglichkeit, Magengeschwüre zu umgehen, ist – so Dr. Fritz – dem Pferd Heu nach Belieben anzubieten - möglichst keine Fresspausen! Als Faustregel gilt, dass ein normal großes Warmblutpferd etwa 8–10 kg Heu am Tag fressen muss. Ein ‚Heubauch’ sollte einen Reiter und Pferdebesitzer nicht von einer solchen Heufütterung abhalten. Dieser entsteht nur durch zu schwache Bauchmuskulatur, die durch das Reiten trainiert wird.
Zuviel Heu kann laut Dr. Fritz nur für Robustrassen(Ponys, Haflinger, Isländer) zum Problem werden, weil sie auf extreme Genügsamkeit selektiert sind. Hier kann man sich mit der Zufütterung von qualitativ erstklassigem Stroh behelfen oder ab und zu Fichten- Weide- oder Birkenzweige bzw. feine Äste von ungespritzten Obstbäumen zum Knabbern.

Vorteile des Raufutters
Ein Vorteil des Raufutters ist die Beschäftigung und die erhöhte Produktion von Speichel, welcher neben der Anfeuchtung des Futters auch für einen optimalen pH-Wert und der Zusetzung von wichtigen Schleimstoffen zuständig ist. Für ein Kilogramm Kraftfutter macht das Pferd deutlich weniger Kauschläge, produziert viel weniger Speichel und ist damit in etwa zehn Minuten fertig. Weit weniger Zahnabrieb, weit weniger Vorverdauung im Maul – dafür ist die Physiologie des Pferdes nicht ausgelegt.
Der Nahrungsbrei verweilt nur etwa eineinhalb Stunden im Dünndarm, wofür eine gesunde Peristaltik (Darmtätigkeit) vonnöten ist, die durch die Rohfasern im Raufutter gefördert wird. Daher sollte mindestens eine halbe Stunde vor der Kraftfuttergabe schon das Heu vorgelegt werden. Dr. Fritz plädiert auch dafür, das Kraftfutter nicht in den Futtertrog, sondern über das Heu zu geben. Somit fressen die Pferde langsamer, kauen besser, speicheln die Nahrung besser ein, womit eine bessere Nährstoffverwertung und nebenbei eine gesunde Fresshaltung gewährleistet sind.

Achtung Fett
Im Gegensatz zu uns hat das Pferd keine Gallenblase, die bei der Verdauung einer fettreichen Speise zum Einsatz kommt. Die Gallenflüssigkeit wird beim Pferd in kleinen Mangen von der Leber produziert, deshalb können Fette nur in kleiner Menge verdaut werden – am besten in Form von Samen und Körnern, wie es ihrer natürlichen Nahrung entspricht. Gießt man Öl über das Futter, ist das Verdauungssystem des Pferdes gänzlich überfordert. Besser ist es Pferden Fett in Form von kleinen Mengen Leinsamen oder Sonnenblumenkernen (1–2 Esslöffel, zweimal pro Woche) zuzufüttern.

Hochwertiges Kraftfutter
Darunter versteht Dr. Fritz qualitativ einwandfreien Hafer bzw. Gerste. Hafer wird früh im Dünndarm verdaut, stellt also ‚schnelle Energie’ bereit und ist das ideale Kraftfutter für Warmblüter, Vollblüter und Sportpferde. Weniger geeignet ist er allerdings für Robustpferde, Araber und Spanier. Bei diesen Rassen kommt es häufig zu einer unsauberen Verstoffwechslung der Fettsäuren.
Gerste sollte nur gequetscht oder geflockt verfüttert werden, da ansonsten die Nährstoffe schlecht aufgeschlossen werden können. Sie wird später als der Hafer im Dünndarm verdaut und bietet damit etwas ‚langsamere Energie’. Sie wird fast von allen Pferden vertragen und eignet sich auch gut, schwerfuttrigen Pferden etwas auf die Rippen zu füttern.

Vorsicht Inhaltsstoffe
Mit Mischfuttermittel vorsichtig umgehen, da diese nicht immer pferdegerecht sind: So enthält Mais, egal in welcher Form einerseits leicht lösliche Stärke, die den Blutzuckerspiegel unnötig anhebt und andererseits schwer lösliche Stärke, die Milchsäurebakterien im Darm produziert. Milchsäurebakterien haben aber, so Dr. Fritz, im Darm nichts zu suchen, denn sie machen das neutrale, leicht basische Milieu sauer und verdrängen die wichtigen Darmbakterien. Auch sei es ein Irrglaube, dass die Pferde vom Mais zunehmen. Durch die Erhöhung des Blutzuckerspiegels wird nur der Appetit angeregt und dadurch können abgemagerte Pferde zum Fressen ermuntert werden. Gegen Maisgabe über zwei Wochen, um den Appetit wieder anzukurbeln, ist laut Dr. Fritz nichts einzuwenden, danach sollte er aber wieder langsam abgesetzt werden.
Melasse ist ebenfalls in vielen Mischfuttermittel zu finden – ein Abfallprodukt aus der Zuckerproduktion, das zur Staubbindung und als Geschmacksverstärker dient, aber auch ein idealer Nährboden für Bakterien und Pilze ist, so Dr. Fritz. Durch ihren hohen Zuckeranteil belastet sie außerdem den Blutzuckerspiegel.

Struktur
Auch bei den vielfach gepriesenen Strukturfasern in den Müslis rät die Biologin zu Zurückhaltung. Die Heu- oder Luzernehäcksel sollen die Pferde zu langsamerem Fressen anregen. In der Praxis fressen die Pferde aber auch diese Futtermittel viel schneller und mit weniger Kauschlägen als das Raufutter, womit sich wieder ein Problem ergibt: Die ein bis drei Zentimeter langen Häcksel werden nicht ausreichend zerkleinert und bleiben damit leicht im Darm liegen, was Fehlgärungen im Dickdarm auslösen und in weiterer Folge zu Kotwasser oder Koliken führen kann.
Auch bei der Weizenkleie ist Vorsicht geboten, da sie viel Phosphor enthält und außerdem Phytate, die Kalzium und Magnesium binden und so doppelt zu einem ungünstigen Kalzium-Phosphor-Verhältnis für das Pferd beiträgt. Mash mit seinem hohen Weizenkleieanteil sollte deshalb höchstens zweimal pro Woche verfüttert werden. Allerdings kann Mash einem Hochleistungspferd, zwei Stunden vor einem anstrengenden Bewerb verfüttert, eine optimale Energiebereitstellung gewährleisten.

Leckerlis
Zwei bis drei Karotten und ein bis zwei Äpfel am Tag seienvollkommen genug. Mit ausgewählten Kräutermischungen oder getrockneten Hagebutten darf man die Belohnung noch anreichern.


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